Grünes Licht für die Bebauung im Fischereihafen

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Bauauschuss winkt die Bebauung des Fischereihafens durch
Grünes Licht für die Veränderung des Ortes Travemünde. Das Stadtbild wird sich in kommenden 2 Jahren nachhaltig verändern. Die Bebauung im Fischereihafen hat die Freigabe. Foto: Bornhöft

Grünes Licht für die Bebauung im Fischereihafen

Der Bauausschuss der Bürgerschaft hat am Montag den 6.11.2017 den Beschluss zur Bebauung des kleinen Arbeitshafens durchgewunken.

Lübeck – Wer glaubt das die Waterfront eine Katastrophe ist, wird alsbald im Fischereihafen eines Besseren belehrt. Der Segler, der in Travemünde kann sehr bald den Eindruck gewinnen, er würde in Klein Miami einlaufen.

Wer nun wie gestimmt hat, lässt sich nicht nachvollziehen, so ist das in Lübeck ja immer, es wird gedealt auf Teufel komm raus. Eines ist jedoch sicher, mit diesem Beschluss werden erneut die Wege geebnet um 200 neue Eigentumswohnungen realisieren zu können.

Bis der Markt kollabiert

Weitere 200 Wohnungen und in Travemünde kein Ende in Sicht. Schon langsam mehren sich die Vermutungen das bei dieser Flut an Eigentumswohnungen, die Preise für Wohneigentum einbrechen können. Das wird seitens der bisherigen Stadtführung gerne unter den Teppich gekehrt. Solange der Rubel rollt, wird es zugelassen. Den Werteverfall durch solche Unternehmungen überblickt man nicht. 

Touristische Erschließung

Mit der Begründung, Travemünde touristisch erschließen zu wollen, setzt man dem Ort einer Last aus, den Travemünde nicht tragen kann. Auch das soziale Gefüge im Ort wird nicht berücksichtigt. Es wird ein außerordentlicher Verdrängungswettbewerb stattfinden, den die kleinen Kaufleute nicht tragen können. Kleinere Unternehmer Familien werden in Travemünde keine Zukunft mehr sehen und Standort wechseln müssen. Flächenmieten künstlich verteuert und Wegfall von Standflächen, das können sich nur noch Rennomierbetriebe leisten.

Das Versprechen, wieder eine Bude aufbauen zu können, wird sicherlich nach Fertigstellung einkassiert, ein Vertrauen haben weder die ansässigen Gastronomen noch die Fischereibetriebe. In einem Fischereihafen wird Fisch verarbeitet und es gibt dort Klönschnack mit den Fischern, wenn man sich seinen Fisch am Sonntagmorgen geholt hat. Die Zukunft sieht so aus, im Sommer Flaniermeile und im Winter ein ziemlich dunkler Ort, wie es sich bereits in anderen Teilen des Ortes manifestiert hat.

Der Fahrplan ist gesetzt, das bleibt nicht beim Fischereihafen. Kaum das man die Flächen eingeheimst hat, ist der Wunsch zu hören, das eine weitere Ausdehnung bis zum Fähranleger gewünscht wird. Aus Alt Travemünde entwickelt man Travemünde 2.0. Schon jetzt ist bei den vielen Bauvorhaben in Travemünde zu hören “ Genug ist genug“.

Die Bauten werden auch wieder „eckig“, gestalterisch „maritim“ kann man nicht, es geht den Investoren darum, jeden wertvollen m² nutzen zu wollen. Maximalprinzip, das Auspressen einer Zitrone, bis nichts mehr kommt.

Die Politik

Es geht nicht viel in Travemünde, die Zahlen waren in der vergangenen Saison rückläufig. Kein Wunder, es fehlen touristische Angebote und man glaubt das mit einer Totalbebauung wenigsten die Übernachtungszahlen angehoben werden können. Den Durchschnitt vergisst man, den will ja auch niemand hören. 100 Besucher bei 100 Wohnungen sind gut. 5000 Besucher bei 10.000 Wohnungen hört sich gut an, ist jedoch Augenwischerei. Die Politik tut sich schwer, auf der einen Seite muss man Kapital heranschaffen und träumt von einem Steuerplus, die andere Seite der Medaille hat man noch nicht entdeckt. Die sieht so aus, die Flächen sind weg, werden wenig bis gar nicht genutzt, und gegebenenfalls ziehen Wohnungsbesitzer einfach um. Das bedeutet das auf dem Markt die Wohnungen, die in den Randgebieten als Eigentum genutzt werden, nun leer stehen. Die Politiker leben im Jetzt, die Zukunft, das Morgen fehlt in den Köpfen. Man sieht sich immer noch als Alleinstellungsmerkmal, doch die anderen Ostseebäder schlafen nicht, in Kiel kommen neue Jacht Liegeplätze für Schiffe bis 50 Metern, und die gesamte Region „Touristische Ostseeküste“ entwickelt sich positiv.

Der Kunde, der Tourist wird es bemerken, wer will schon in einem Tourismus durch die Häuserschluchten laufen, um festzustellen das zwar alles schön glatt und gerade bebaut worden ist, aber ein Angebot zur Urlaubsgestaltung nicht vorhanden ist.

Bebauung, ja das hätte gut funktionieren können, wenn man Maß und Mitte nicht aus den Augen verloren hätte. So werden ab dem Februar 2018 die Bauarbeiten beginnen und weitere 2 Jahre muss ein Touristik-Ort eine weitere überdimensionierte Baulast tragen.

Zweifelsohne ist Travemünde ein schöner Ort, doch es wird nicht mehr das Travemünde sein, welches die Menschen geschätzt haben, es wird ein anderes Travemünde werden und das muss sich dem Wettbewerb stellen. Ob der Ort dann als schön bezeichnet werden wird, entscheiden die Menschen die wieder herkommen und hoffentlich bleiben. Die Bezifferung des Erfolges oder Misserfolges werden wir in 10 Jahren bemessen können. -cbo

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4 KOMMENTARE

  1. Es überkommt einen inzwischen permanenter Brechreiz, wenn man mitverfolgt, wie Travemünder immer mehr plattgemacht wird. Modernisieren ist ja gut und schön – aber warum ist es Lübeck nicht möglich das Maritime, das Travemünde immer ausgemacht hat, zu erhalten bzw. zu integrieren.

    Travemünde ist in allem nur noch aussen vor – und diese Entwicklung ist mehr als traurig. Diese Lübecker Kohlköpfe haben nur noch Dollarzeichen in den Augen und übersehen dabei, dass es nicht mit Übernachtungmöglichkeiten getan ist, sondern dass auch – wie an anderen Küstenorten – alles Andere stimmen muss sprich, den Touristen etwas geboten werden muss.

    Statt zukunftsweisend ist Travemünde eher auf dem Weg rückwärts!!

  2. Klagen auf hohem Niveau ist grundsätzlich begrüßenswert. Allerdings muss auch Mal versucht werden, die Realität zu akzeptieren: Travemünde ist auf dem Stand der 80er hängen geblieben. Jede Veränderung wird mit Gezeter und Mordio begrüßt, siehe Waterfront. Lassen Sie uns den Schritt nach vorne wagen und freuen wir uns auf ein modernes Seebad mit jüngerem Publikum (ähnlich wie Kühlungsborn, Grömitz, Heiligenhafen etc.).
    Ein „betroffener“ Liegeplatzmieter im Fischereihafen.

    • Lieber Tom
      auch wir würden sehr viel lieber darüber schreiben das sich Travemünde prächtig entwickelt. Das wäre nur zu schön, wir würden gerne berichten wie z.B liebevolle maritime Akzente gesetzt werden, wir bräuchten dann nicht nicht über Turbokapitalismus berichten. Wie schön wäre es wenn die Gier nicht mehr vorhanden wäre, wenn wir berichten könnten das zum Beispiel Platz für ein Theater geschaffen wird, das Haus der Jugend im Zuge der Bebauung ein neues Gebäude bekommt, eine Freizeitstätte für jung und alt dort etabliert werden würde, die Hafenanlagen Seglerkonform eingerichtet würden.Ach dürfen wir nicht, Travemünde könnte ja sonst vielleicht Ponyhof heissen.

  3. Bei dem extrem hohen Preise in Travemünde, hätte ich nichts nichts dagegen, dass ein Übergebot geschaffen wird und so sich die Preise endlich mal wieder normalisieren. 590.000 Euro für 110qm Haus auf 1000pm Erbpachtgrundstück hat viel Spiel nach unten. Oder kann sich das einer von euch her leisten?

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